
Neurologische Erkrankungen verursachen mittlerweile rund 60 Prozent der weltweiten Krankheitslast. Zu ihnen zählen unter anderem Schlaganfall, Demenz, Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose und Migräne.
Aufgrund der alternden Bevölkerung rechnen internationale Prognosen bis 2050 mit einem massiven Anstieg der neurologischen Krankheitslast. Besonders stark zunehmen werden dabei Demenzerkrankungen, Parkinson-Erkrankungen und die Folgen von Schlaganfällen.
Auch die Zahl der Neuropathien wird sich voraussichtlich verdoppeln. Rund ein Drittel davon wird auf diabetische Neuropathien entfallen und wäre durch eine wirksame Prävention des Diabetes beziehungsweise eine gute Blutzuckereinstellung potenziell vermeidbar.
Anlässlich des World Brain Day (Welttag des Gehirns) am 22. Juli macht die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) auf die Bedeutung der Gehirngesundheit aufmerksam und fordert einen verstärkten Fokus auf Prävention, Früherkennung und einen niedrigschwelligen Zugang zu neurologischer Versorgung.
Der diesjährige World Brain Day steht unter dem internationalen Motto „Brain Health: Access for All“(Gehirngesundheit: Zugang für alle) und rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen unabhängig von Alter, Wohnort oder sozialem Hintergrund Zugang zur neurologischen Betreuung erhalten können.
„Österreich verfügt über eine hochwertige neurologische Versorgung. In den vergangenen Jahren wurden wichtige Schritte gesetzt: Der Ausbau zertifizierter Stroke Units, spezialisierter Zentren für Parkinson, Multiple Sklerose, Epilepsie und neuromuskuläre Erkrankungen sowie die Einführung innovativer Therapien haben die Versorgung wesentlich verbessert.
Dennoch zeigen sich regionale Unterschiede beim Zugang zu spezialisierten Angeboten, insbesondere in der neurologischen Rehabilitation und bei ambulanten Versorgungsstrukturen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass alle Menschen – unabhängig von ihrem Wohnort oder ihren persönlichen Voraussetzungen – gleichermaßen Zugang zu neurologischer Expertise, moderner Diagnostik und innovativen Therapien erhalten“, betont Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari.
Die ÖGN fordert daher weitere Investitionen in die neurologische Rehabilitation, Versorgungsforschung sowie den Ausbau regionaler Versorgungsstrukturen unter Einbeziehung der Neurologie, um den künftigen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft gerecht zu werden.
„Wir wissen heute, dass ein erheblicher Anteil neurologischer Erkrankungen durch gezielte Prävention positiv beeinflusst oder gar verhindert werden kann. Deshalb müssen wir das Bewusstsein für Risikofaktoren stärken und die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung fördern“, so Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari.
Gehirngesundheit sei eine wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. „Wenn wir über gesundes Altern sprechen, müssen wir über Gehirngesundheit sprechen. Denn die Fähigkeit zu denken, zu erinnern, zu kommunizieren und selbstständig zu leben, ist entscheidend für die Lebensqualität“, ergänzt Dr. Ferrari.
Gehirngesundheit beginnt im Alltag
Viele Faktoren, die unsere Gehirngesundheit beeinflussen, können aktiv gestaltet werden. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie empfiehlt:
• Regelmäßige körperliche Bewegung
• Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Diabetes
• Nichtrauchen
• Ausgewogene Ernährung
• Ausreichend Schlaf
• Geistige Aktivität und lebenslanges Lernen
• Soziale Kontakte und gesellschaftliche Teilhabe
Neues internationales Standardwerk zeigt globale Herausforderungen
Wie groß die Bedeutung neurologischer Erkrankungen inzwischen ist, zeigt auch das kürzlich erschienene Buch „The White Book on Global World Neurology“, herausgegeben von der World Federation of Neurology.
Das Werk beschreibt erstmals umfassend die weltweite Versorgungssituation in der Neurologie und macht deutlich, dass neurologische Erkrankungen heute die führende Ursache für Behinderung weltweit darstellen.
„Die Erkenntnisse des White Book on Global World Neurology verdeutlichen, dass Gehirngesundheit weit über die Neurologie hinausgeht. Sie betrifft Bildung, Arbeitswelt, soziale Rahmenbedingungen und Gesundheitspolitik gleichermaßen.
Nur durch gemeinsames Handeln können wir die wachsende Belastung durch neurologische Erkrankungen langfristig reduzieren“, so der Mitherausgeber Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Grisold.
Über den World Brain Day – Welttag des Gehirns
Der World Brain Day wurde von der World Federation of Neurology ins Leben gerufen und findet jährlich am 22. Juli statt. Ziel ist es, weltweit das Bewusstsein für die Bedeutung der Gehirngesundheit zu stärken und die Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen zu verbessern.
The White Book on Global World Neurology (Springer, 2026) ist ein umfassendes Referenzwerk der World Federation of Neurology, herausgegeben von Wolfgang Grisold, Steven Lewis, Riadh Gouider und Alla Guekht. Ziel des Buches ist es, erstmals einen globalen Überblick über die Strukturen, Kapazitäten, Herausforderungen und die Zukunftsperspektiven der Neurologie weltweit zu geben.
Österreichischer Neurologie-Report 2022, herausgegeben von der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, bietet einen umfassenden Überblick über die neurologische Versorgung in Österreich und behandelt die Epidemiologie sowie die Krankheitslast neurologischer Erkrankungen (‚Burden of Disease‘), die Versorgungsstrukturen und Leistungsdaten, die Aus- und Weiterbildung in der Neurologie, die neurologische Forschung sowie zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen des Fachgebiets.
Links: www.oegn.at ; www.wfneurology.org


