
Frauen leben in Österreich länger als Männer: Ihre Lebenserwartung lag 2024 bei durchschnittlich 84,3 Jahren, jene der Männer bei 79,8 Jahren. Doch ein längeres Leben bedeutet nicht automatisch mehr Jahre bei guter Gesundheit.
Eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für Frauen beginnt bei Prävention und reicht über eine frühzeitige Diagnose und zielgerichtete Behandlung bis zu verständlicher Information und einem diskriminierungsfreien Zugang. Denn Frauen können andere Erkrankungsrisiken, Symptome und Krankheitsverläufe aufweisen als Männer – dennoch werden diese Unterschiede in Forschung, Diagnostik und Versorgung nicht immer ausreichend berücksichtigt.
„Frauengesundheit geht weit über klassische frauenspezifische Erkrankungen hinaus“, sagt Tatiana Tousi, General Manager bei GSK Österreich. „Es gilt daher, Frauengesundheit als Querschnittsthema zu positionieren und medizinische, gesellschaftliche und strukturelle Ursachen klar voneinander zu unterscheiden sowie zugleich ihre Wechselwirkungen sichtbar zu machen.“
Das wurde auch beim „Women’s Health Dialogue: Advancing Inclusion in Healthcare“ thematisiert, bei dem am vergangenen Donnerstag führende Expert:innen aus Politik, Medizin und Gesundheitsweisen über eine inklusive und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für Frauen diskutierten.
Inklusive Frauengesundheit statt männlich geprägte Standardperspektive
Deutlich werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede etwa bei Lungenerkrankungen wie COPD und Asthma, die bei der Veranstaltung als Fallbeispiel diskutiert wurden: Bei Frauen werden beide Erkrankungen häufig erst spät diagnostiziert, wodurch auch eine adäquate Therapie verspätet beginnt.
Als konkreter Ansatz wurde diskutiert, die Lungenfunktionsmessung stärker in der Vorsorge zu verankern. Zugleich braucht es eine ausreichende Therapievielfalt, um unterschiedlichen Krankheitsverläufen, Arzneimittelwirkungen und Lebensrealitäten gerecht zu werden. Langwirksame Therapieoptionen können dazu beitragen, die Therapielast zu reduzieren und die Behandlung besser mit Beruf, Familie und Care-Arbeit zu vereinbaren.
Handlungsbedarf orteten die Diskutantinnen auch bei HIV: 2024 wurden in Österreich 454 HIV-Neudiagnosen registriert. 39 Prozent waren auf heterosexuelle Kontakte zurückzuführen, davon betrafen 52 Prozent Frauen. Gleichzeitig erfolgten 42 Prozent aller Diagnosen erst spät, und darunter sind überdurchschnittlich viele weibliche Personen vertreten. Nicht zuletzt, weil Frauen ein HIV-Test häufig erst empfohlen wird, wenn sie bereits erkrankt sind oder ihr Partner positiv getestet wurde. Deshalb wären bei HIV zielgruppengerechte Information und niederschwellige Testangebote wichtig.
Ähnlich bedeutsam sind die Prävention und Früherkennung auch in der gynäkologischen Onkologie, die als ein drittes Beispiel diente. Allein 2024 erhielten in Österreich 1.047 Frauen die Diagnose eines Gebärmutterkörperkarzinoms. Rund 400 Frauen erkranken jährlich an Gebärmutterhalskrebs und etwa 750 an Eierstockkrebs.
Auch in der gynäkologischen Onkologie wurden konkrete Möglichkeiten diskutiert, die Versorgung von Frauen weiter zu verbessern. Im Fokus standen dabei eine frühzeitige Diagnose, hohe Versorgungsqualität und die Frage, wie Behandlungsstrukturen stärker an den Bedürfnissen der Patientinnen ausgerichtet werden können.
Ziel muss bedarfsgerechte Versorgung sein
In Summe zeigte der Dialog: Eine bedarfsgerechte Frauengesundheit muss als Querschnittsthema in Prävention, Diagnose, Therapie, Erstattung und Versorgungsstrukturen verankert werden. Dazu gehören eine frühere Diagnose, individuell passende Therapieoptionen, spezialisierte Zentren mit transparenter Qualitätssicherung sowie eine bessere Abstimmung zwischen intra- und extramuraler Versorgung.
Auch Frauen und geschlechtsspezifische Unterschiede müssen in klinischen Studien angemessen berücksichtigt werden, damit die daraus gewonnene Evidenz in der Versorgung ankommt. Entscheidend ist, Versorgungsrealität, politische Zielsetzungen und Finanzierungslogik so aufeinander abzustimmen, dass Patient:innen ihre Behandlung dort erhalten, wo sie medizinisch und organisatorisch am sinnvollsten ist.


