Austrian Health Report 2026: Frauen & Gesundheit

Männer und Frauen in Österreich erleben das österreichische Gesundheitssystem sehr unterschiedlich: Während 56 Prozent der männlichen Bevölkerung damit (sehr) zufrieden sind, trifft das nur auf 41 Prozent der Frauen zu.

Zugleich berichten Frauen häufiger von psychischer Belastung und negativen Erfahrungen bei ärztlichen Behandlungen. Das zeigt der Austrian Health Report 2026 (AHR), durchgeführt durch das Institut für empirische Sozialforschung IFES im Auftrag von Sandoz. Der diesjährige Fokus der repräsentativen Studie untersucht geschlechterspezifische Versorgungslücken und zeigt klaren Handlungsbedarf auf.

Österreichs Frauen sind stärker belastet – psychisch und körperlich

Ein erster Unterschied wird bei der psychischen Gesundheit sichtbar: 71 Prozent der Bevölkerung bewerten ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut. Hinter diesem Durchschnitt zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Frauen schätzen ihre psychische Gesundheit mit 26 Prozent viel seltener als sehr gut ein, als Männer mit 32 Prozent. Zudem berichten 48 Prozent der Frauen von chronischen Erkrankungen, gegenüber 45 Prozent der Männer.

Marco Pucci, Country President Sandoz Österreich: „Die Ergebnisse zeigen: Gleichberechtigter Zugang zu Gesundheit bedeutet mehr als die Verfügbarkeit von leistbaren und sicheren Medikamenten. Mit dem Austrian Health Report schaffen wir eine belastbare Grundlage für konkrete Verbesserungen und liefern Impulse für ein Gesundheitssystem, das Unterschiede früher erkennt und den Bedürfnissen aller besser gerecht wird.“

Gesundheitsorganisation bleibt Frauensache

Frauen übernehmen in Österreich beim Thema Gesundheit und Pflege weiterhin den Hauptanteil des Mental Loads innerhalb der Familie: 67 Prozent der Frauen mit Partner geben an, sich um Gesundheitsfragen wie Arzttermine oder Vorsorgeuntersuchungen für sich, Partner und andere zu kümmern, im Vergleich zu 44 Prozent der Männer mit Partnerinnen. Ist jemand im Haushalt krank oder verletzt, sagen 58 Prozent der Frauen mit Partner, dass sie diese Aufgaben überwiegend in der Familie übernehmen, im Vergleich zu 21 Prozent der Männer mit Partnerinnen. Eine weitere psychische Belastung, die mehrheitlich bei Österreichs Frauen liegt.

Mag. Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP): „Die Mehrfachbelastung von Frauen hat starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der gesamten weiblichen Bevölkerung. Gleichzeitig wissen wir, dass medizinische Forschung geschlechterspezifische Aspekte noch nicht ausreichend berücksichtigt. Wir müssen Frauen in der gesundheitlichen Versorgung explizit mitdenken und ihre Bedürfnisse vollumfänglich ernstnehmen. “

44 Prozent der Frauen fühlen sich im Gesundheitssystem nicht ernstgenommen

Besonders deutlich wird der Gender Health Gap in der ärztlichen Behandlung. Frauen berichten verstärkt über negative Erfahrungen: Fast die Hälfte der Frauen (44 Prozent) geben an, dass ihre Schmerzen zumindest gelegentlich nicht ernstgenommen wurden – das sind fast doppelt so viele wie Männer (23 Prozent) mit ähnlichen Erfahrungen. Zudem gaben 36 Prozent der Frauen an, dass ihre Symptome als psychisch bzw. psychosomatisch abgetan wurden. Ähnliche Erfahrungen haben nur 15 Prozent der Männer.

Das wirkt sich auf das Vertrauen aus: Nur rund vier von zehn Frauen (46 Prozent) sind überzeugt, dass Ärzt*innen Geschlechterunterschiede in der Behandlung berücksichtigen. Bei Männern sind es lediglich sechs von zehn (63 Prozent).

Dr. Thomas Czypionka, Head of Research Group Health Systems and Health Policy IHS: „Gerade, wenn geschlechterspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung vernachlässigt werden, sind die Folgen für die Gesundheit und das Gesundheitswesen groß. Hier besteht großes Potenzial, Ressourcen effizienter einzusetzen und letztendlich die Bevölkerung besser zu versorgen.”

Wissenslücke zu Geschlechterunterschieden bei Medikamenten und Krankheiten groß

Die Forschung bezieht geschlechterspezifische Unterschiede etwa bei der Häufigkeit von Krankheitsbildern, Art der Symptome oder Nebenwirkungen erst seit kurzem mit ein. Bei physischen Krankheiten herrscht darüber in Österreich zumindest bei mehr als zwei Drittel bereits Bewusstsein.

Anders ist die Situation bei psychischen Erkrankungen: Geschlechter-spezifische Symptome etwa bei Depressionen sind 53 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männern bekannt. Bei AD(H)S oder Autismus hingegen weiß nicht einmal jeder dritte Mann (28 bzw. 22 Prozent) und rund vier von zehn Frauen (44 bzw. 37 Prozent) Bescheid.

Hier müssen die Lücken in der Gesundheitskompetenz – bei Frauen wie auch Männern – gezielt beseitigt werden, etwa durch zeitgemäße digitale Anwendungen. Denn 69 Prozent der Frauen, die mindestens einmal monatlich KI nutzen, greifen auch bei Gesundheitsfragen zumindest gelegentlich auf Künstliche Intelligenz zurück, bei Männern sind es 60 Prozent. Aufgrund der fehlenden Regulierungen und Unsicherheiten der genutzten Quellen ein durchaus kritischer Trend.

Dr. Eva Zeglovits, Geschäftsführerin Institut für empirische Sozialforschung IFES: „Mit dem Austrian Health Report haben wir in diesem Jahr ausführliche und belastbare Daten zur Gender Health in Österreich und sehen im Detail, wie unterschiedlich Männer und Frauen die österreichische Gesundheitsversorgung erleben und wo Handlungsbedarf herrscht.“

Versorgungssicherheit bleibt für die gesamte Bevölkerung zentral

Inmitten zunehmender geopolitischer Spannungen und multipler Krisen bleibt für 88 Prozent der Bevölkerung die heimische Medikamentenproduktion zentral. Die wichtigsten Gründe sind klar die Verringerung außereuropäischer Abhängigkeiten und die Versorgungssicherheit im Krisenfall.

89 Prozent sprechen sich sogar dafür aus, dass heimische Krankenkassen in Europa produzierte Medikamente bevorzugen sollen. Ein klarer Auftrag an alle Stakeholder*innen, bei der Medikamentensicherheit die europäische Produktion im Sinne der Bevölkerung zu stärken.

82 Prozent der Bevölkerung sehen Zwei-Klassen-Medizin in Österreich

Die steigende Unzufriedenheit mit dem heimischen Gesundheitssystem beruht vor allem auf zwei Hauptkritikpunkten: 57 Prozent kritisieren zu lange Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen und sogar 82 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Menschen, die es sich leisten können, schneller behandelt werden. Trotz angespannter Staatsfinanzen werden Einsparungen in der Gesundheitsversorgung von 82 Prozent der Bevölkerung klar abgelehnt.

Foto: Sandoz/Sattlegger

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