
Am 23. April startet die neue Biographie „Michael“ in den heimischen Kinos. Damit wird auch die Haut des Sängers wieder Thema: Entgegen dem weitverbreiteten Glauben hellte Michael Jackson seine Haut allerdings nicht absichtlich auf, um nicht mehr Schwarz zu sein.
Der verstorbene „King of Pop“ litt seit seinen Jugendtagen an Vitiligo, der Weißfleckenkrankheit. Beginnend mit einzelnen weißen Flecken wurde seine Haut aufgrund der mit der Erkrankung einhergehenden Depigmentierung immer heller.
„Michael“ kommt Ende April in die heimischen Kinos und zeigt das Leben Michael Jacksons von seiner Kindheit – damals als Teil der „Jackson 5“ – bis zu seinem Tod 2009 im Alter von 50 Jahren. Gespielt wird er von seinem Neffen Jaafar Jackson, der auf der Leinwand unter anderem mit Colman Domingo und Miles Teller zu sehen ist.
Hartnäckiger Fehlglauben
Der Film zeichnet die Karriere des „King of Pop“ nach und bietet Anlass, mit einem hartnäckigen Irrtum aufzuräumen: Immer wieder wird behauptet, er habe seine Hautfarbe bewusst verändert. Tatsächlich litt er jedoch an Vitiligo, einer Autoimmunerkrankung, die zur Zerstörung der Pigmentzellen in der Haut, den Melanozyten, und damit zu einem fortschreitenden Verlust der Hautpigmentierung führt.
Es bilden sich helle Flecken auf der Haut – auf dunkler Haut sind diese deutlicher zu sehen als auf hellerer Haut. Michael Jackson schminkte die Flecken daher vorerst ab. Die Erkrankung machte er dann in den 1980er Jahren öffentlich. Dennoch wurde ihm unterstellt, er wolle seine afroamerikanische Abstammung verleugnen – ein Vorwurf, den er in einem Interview mit Oprah Winfrey Anfang der 1990er Jahre zurückwies.
Vorurteile gibt es auch heute
„Vitiligo führt bei den meisten Betroffenen zu unregelmäßigen Flecken. In extremen Fällen kann aber tatsächlich die gesamte Hautoberfläche heller werden“, weiß Dr. Alex Jakob Kilbertus, Dermatologe aus Wels (Oberösterreich). „Damals gab es keine verlässliche Behandlung gegen Vitiligo. Seitdem haben wir große Fortschritte in der Forschung gemacht. Wir Hautärzt:innen können die chronische Erkrankung zwar nicht heilen, aber gut behandeln und gemeinsam mit den Patient:innen unter Kontrolle halten. Zahlreiche Vorurteile halten sich jedoch bis heute hartnäckig.“

Dr. Alex Jakob Kilbertus, Dermatologe aus Wels
Psychischer Leidensdruck
So denken viele Menschen nach wie vor, dass Vitiligo ansteckend ist bzw. die Flecken aufgrund mangelnder Hygiene entstehen. Daher ist die psychische Belastung für Patient:innen meist oft viel größer als die physische. Besonders jene Menschen, bei denen mehr als fünf Prozent der Körperfläche von Vitiligo betroffen sind, als auch Betroffene mit dunklerem Hauttyp leiden stark und haben aufgrund von Ausgrenzung eine schlechtere Lebensqualität. Viele leben außerdem mit der Angst, dass die Krankheit fortschreitet (Quelle: VIPOC).
„Der neue Michael Jackson-Film bietet eine wertvolle Gelegenheit, Vitiligo stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – und zwar auf positive Weise“, so Dr. Kilbertus. „Betroffene sollen sich ermutigt fühlen, offen über ihre Erkrankung zu sprechen und sich Unterstützung in ihrem Umfeld sowie bei ihren Dermatolog:innen zu holen. Gehen Sie bei ersten Anzeichen zum Hautarzt. Es gibt heute wirksame Therapien, die den Verlauf positiv beeinflussen können.“
Vitiligo zählt zu den häufigsten Pigmentierungsstörungen mit einer geschätzten Prävalenz zwischen 0,5 und 2 Prozent. Das entspricht bis zu 150 Millionen Betroffenen weltweit und rund 90.000 bis 100.000 Betroffenen in Österreich. Die ersten Läsionen treten meist zwischen dem zehnten und 30. Lebensjahr auf.
Weitere Informationen für Betroffene: www.vitiligo.co.at
Foto: Kathrin Holzmann


