Jugendliches Aussehen dank frühzeitiger Anti-Aging-Pflege

Interview mit Dr. Adrienne Denese, Spezialistin im Bereich Anti-Aging Medizin, zum Thema Faltenbehandlung mittels Hautpflege.

Wie entstehen Falten?

Dr. Adrienne Denese: Eine Falte besteht aus drei Komponenten, der Hautkomponente, der darunterliegenden Muskelkomponente und der Komponente des subkutanen Fett- und Bindegewebes. 

HAUTKOMPONENTE

Nur wenige Menschen wissen, dass die Haut lediglich eine Komponente der Falte ist. Mit Anfang 30 zeigen sich Linien um die Augen herum nur dann, wenn wir lächeln. Die Haut widersteht der Zugkraft des Muskels für eine Weile. Nimmt jedoch das Kollagen infolge von Sonneneinstrahlung oder anderen intrinsischen Hautalterungsfaktoren in der Haut langsam ab, graben sich die Muskelzuglinien mit der Zeit permanent in die Haut ein, was bedeutet, dass die Falte nun auch die Hautkomponente erreicht hat. Deshalb haben wir mit Mitte 40 auch wenn wir nicht lächeln, Linien im Augenbereich.

MUSKELKOMPONENTE

Unsere Gesichtsmuskeln sind einzigartig. Während andere Muskeln einen Knochen mit dem anderen verbinden und unsere Fähigkeit zur Bewegung ermöglichen, hängen unsere Gesichtsmuskeln zwar auch am Knochen, sind aber dann direkt mit der Haut verbunden. Deshalb zerrt der Muskel jedes Mal, wenn Sie lächeln oder böse schauen, von innen an der Haut und bildet eine Falte. Ist die Haut jung, spielt das keine Rolle, denn dann springt die Haut sofort in ihren Ausgangszustand zurück. Aber wenn die Haut altert und das Kollagen zerstört wird, dann gibt die Haut der Muskelzugkraft nach und entwickelt eine Falte entlang der Zugkraft des Muskels. 

FETT- UND BINDEGEWEBSKOMPONENTE

Wenn wir älter werden, verlieren wir zudem Fett in unserer Gesichtsmitte. Es ist einer der gemeinsten Tricks der Natur, dass wir mit dem Alter Fett in unserer Körpermitte ansetzen, wo wir es nicht haben wollen auf der anderen Seite verlieren wir Fett aus dem mittleren Teil unseres Gesichts, wo wir es für unser Aussehen dringend benötigen. Es ist der Fettverlust unter den Augen und Wangen, der dafür sorgt, dass wir unterhöhlt und gealtert aussehen. Dieser Fettverlust ist verantwortlich für die Linien, die von der Nase zum Mund hin auftreten, auch Nasolabialfalten genannt. Mit Mitte 50 können wir dann tiefe Nasolabialfalten bekommen. Diese Linien waren zunächst nur muskelbasiert, dann muskel- und hautbasiert und letztlich muskel-, haut- und fettverlustbasiert. 

Hier nun die Quintessenz: Um den Kampf gegen die Falten zu gewinnen, müssen Sie also nicht nur Ihre Haut, sondern auch die darunter liegende Muskelschicht und auch den Fettverlust behandeln.

Zudem ist einer der größten Feinde jugendlicher Haut die Sonneneinstrahlung. Die Sonne zerstört das Kollagen. Kollagen sorgt dafür, dass die Haut elastisch bleibt. Verliert die Haut Kollagen, wird sie dünn und weniger elastisch. Wenn der Muskel von unten die Haut zieht, entwickelt die Haut entlang den Linien des Gesichtsausdrucks Falten… Mein Rat: Verzichten Sie aufs Rauchen, meiden Sie die Sonne und ernähren Sie sich gesund.

Welche Inhaltsstoffe sind in Anti-Aging-Pflegeprodukten enthalten und wie wirken diese?

Dr. Adrienne Denese: Wenn Sie kein Botox-Fan sind, dann können Sie die Muskelkomponente einer Falte mit hautentspannenden Wirkstoffen wie Argireline (acetyl hexapeptide-3) und auch mit Kollagen und Vitaminen als Antioxidantien in liposomaler Form unterstützen. Liposome sind sehr komplexe, mikroskopisch kleine Lipid (Fett)-Sphären, die Wasser und andere Wirkstoffe verkapseln. Ein Wirkstoff, der in Liposome eingebettet ist, wird von den Liposomen umhüllt und frisch gehalten. Liposomale Verkapselung optimiert zudem die Konzentration des Wirkstoffes und die Wirksamkeitsdauer auf dem zu behandelnden Bereich. 

Die Hautkomponente einer Falte lässt sich sehr gut behandeln: 

Zuerst peelen Sie Ihre Haut (auf AHA-Basis, Glykolsäurebasis), damit die Wirkstoffe, die anschließend auf die Haut aufgetragen werden, tiefer eindringen können, abgestorbene Hautzellen entfernt werden und die Haut intensiv mit Feuchtigkeit versorgt wird. Dann müssen kollagenaufbauende Wirkstoffe eingeschleust werden. AHA/BHA, Vitamin C und Retinol sind ideal. Ebenfalls zu empfehlen sind bioaktive Aminosäurepeptide. Das sind kurzkettige Peptide, die klein genug sind, um in die Haut einzudringen. Sie können direkt den Zellmechanismus, die Fibroblasten, anregen, die an der Kollagenproduktion beteiligt sind. Oligopeptide sind sehr effektiv und meiner Meinung nach die beste Substanz, um das Kollagen im Augenbereich wieder anzuregen. Eine ausreichende Lipidzufuhr ist ebenso wichtig: Lipide sollten möglichst hautidentisch sein, damit sie von der Haut „erkannt“ und aufgenommen werden können. Ceramide und essentielle Fettsäuren sind ideal. Die richtigen Lipide können helfen, die enorm wichtige und schützende Lipidbarriere der Haut zu regenerieren sowie Wasserverlust und folglich auch trockene Haut zu verhindern.

Weitere Wirkstoffe, die bewährt und empfehlenswert sind: Vitamin E: Im medizinischen Bereich wurde gezeigt, dass es die Wundheilung fördert, trockene Haut bekämpft und hilft, UV-Schäden vorzubeugen. Vitamin C ist ein Antioxidans, das die Produktion von Kollagen anregt und die Haut weich und elastisch hält. Es ist in vielen Hautpflegeprodukten enthalten und am schwierigsten zu stabilisieren. Wenn es einmal oxidiert und dunkel wird, verliert es seine Fähigkeit als Antioxidans. Verwenden Sie es dann nicht weiter. Vitamin F ist eine essentielle Fettsäure und enthalten in Linolsäure, Omega 3, EPA Linolsäure, Nachtkerzenöl, Schwarze Johannisbeere, Flachssamenöl. Das hocheffektive Lipid ist selbst in prozentual kleinen Mengen zum Aufbau der Lipidbarriere der Haut geeignet. AHA Säuren oder Fruchtsäuren beinhalten viele verschiedene Substanzen wie Zitronensäure (aus Zitrusfrüchten), Glykolsäure (aus Zuckerrohr), Milchsäure (aus Milch) und die weniger bekannte Apfelsäure (aus Äpfeln) sowie Weinsäure (aus Wein). Sie helfen, die oberen Schichten der Epidermis zu peelen, so dass die anderen Wirkstoffe in die Haut eindringen können. Zudem verbessern sie den Feuchtigkeitsgehalt der Haut. AHA Säuren sind Schlüsselwirkstoffe in Anti-Aging und hautaufhellenden Produkten. Sie können die Haut irritieren, lassen die Haut jedoch nicht schneller altern; im Gegenteil. AHAs erhöhen allerdings die Sonnenempfindlichkeit aufgrund ihrer Peelingeigenschaften. Seidenproteine vermeiden Dehydrierung und sind oft in Anti-Aging Augenpflegeprodukten enthalten. Bioaktive Aminosäurepeptide können Tripeptide (drei zusammenhängende Peptide), Tetrapeptide (vier), Pentapeptide (fünf) oder Hexapeptide (sechs) sein) haben den großen Vorteil, dass sie klein genug sind, um in die Haut einzudringen. In verschiedenen in-vitro Studien haben sie bewiesen, dass sie in der Lage sind, die Zellproduktion anzuregen, um die Kollagen- und Elastinproduktion signifikant zu steigern. Auf diese Weise schützen sie vor vorzeitigem Kollagenabbau in der Haut. Neueste Forschungen haben ein kleines Molekül namens Carnosin, das aus Aminosäuren besteht, als vielversprechenden Rundumschutz gegen fast alle physiologischen Prozesse, die das Protein zerstören und uns altern lassen, bewiesen. Die Zerstörung von Protein ist zu einem Großteil für die Hautalterung verantwortlich. Eine große Anzahl wissenschaftlicher Studien beweist, dass Carnosin die Proteine schützt und den Schaden bis zu einem gewissen Grad wieder rückgängig machen kann. Meiner Meinung nach kann Carnosin einige revolutionäre Veränderungen in der Hautpflege bringen. Kupfer, ein essentieller Nährstoff für die Haut, wurde lange Jahre in der Medizin verwendet, um den Heilungsprozess bei Verbrennungen zu verkürzen. Klinische Studien beweisen, dass Kupferpeptide die Gewebebildung anregen, helfen Kollagen- und Elastinschäden zu regenerieren sowie das Erscheinungsbild von feinen Linien und Fältchen zu verbessern.  

Im Bereich der Fett- und Bindegewebskomponente einer Falte kann ich Ihnen keine Wirkstoffe empfehlen. Ehrlich gesagt gibt es keine gute, topische Lösung, die Fettverlust korrigieren kann. Jede Werbung, jede Aussage, die verspricht, dass eine Creme oder eine Maske die Nasolabialfalten oder die Marionettenfalten absoftet, ist eine große Übertreibung. Hier helfen nur Unterspritzungen beim Arzt. 

 Feuchtigkeitscreme und Anti-Aging-Produkt oder nur eines von beidem?

Dr. Adrienne Denese: Die Haut braucht beides: Feuchtigkeit und Anti-Aging Wirkstoffe. Allerdings empfehle ich stets Seren mit Feuchtigkeits- und Anti-Aging Wirkung (anstatt Cremes) auf die gereinigte und gepeelte Haut aufzutragen und zum Abschluss die Haut mit einer Creme mit hohem Lichtschutzfilter zu versiegeln. Tragen Sie nämlich Feuchtigkeitscreme auf, dann ist die Haut bereits versiegelt und eine anschließende Anti-Aging Creme wird ihre Wirkung nicht mehr entfalten können, denn die Wirkstoffe verbleiben auf der Hautoberfläche, da die Haut ja bereits mit der ersten Creme, der Feuchtigkeitscreme versiegelt wurde. So entsteht zum Beispiel auch der unschöne Radiergummieffekt auf der Haut.  

 Was passiert wenn man die Anti-Aging-Pflege absetzt? Kommen die Falten zurück?

Dr. Adrienne Denese: Natürlich kommen sie zurück! Wenn Sie Ihre Haut nicht konsequent pflegen, dann werden Sie auch wieder mehr Falten im Spiegel entdecken. Entwickeln Sie am besten Ihr ganz persönliches Hautpflegeritual, das wie zum Zähneputzen zur täglichen Routine wird. Abends die Haut reinigen, peelen und Anti-Aging Seren plus Nachtcreme auftragen und morgens die Haut mit einem Feuchtigkeitsserum und einem Lichtschutzprodukt versehen. Meine Devise lautet: Die Haut bauen Sie am besten abends, während sie sich sowieso am besten regeneriert mit Anti-Aging Wirkstoffen auf. Am Tag ist das A und O Feuchtigkeit + Schutz der Haut vor negativen Umwelteinflüssen und vor allem vor UVA- und UVB-Strahlen. 

 Ab welchem Alter ist es empfehlenswert mit der Anti-Aging-Pflege zu beginnen?

Dr. Adrienne Denese: Jeder Mensch ist einzigartig. Und jeder Mensch altert anders, der eine früher, der andere später. Je früher Sie beginnen, Ihre Haut regelmäßig zu reinigen und vor der Sonne zu schützen, je später müssen Sie mit Anti-Aging Wirkstoffen beginnen. Im Allgemeinen sagt man, dass mit Ende 20 die ersten Hautalterungserscheinungen, zunächst im Augenbereich, sichtbar werden und dann ist es Zeit, diesen gezielt entgegen zu wirken. 

 Gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Anti-Aging?

Dr. Adrienne Denese: Sicherlich gibt es immer wieder neue Ansätze bezüglich der Erforschung des Alterungsprozesses. Ich unterstütze da allerdings nach wie vor die „Metabolische Theorie des Alterns“. Diese Theorie rückt die Auswirkungen des Pro-Aging Hormons Insulin in den Vordergrund. Insulin, oft als das Masterhormon des Stoffwechsels bezeichnet, steigt mit dem Alter dramatisch an, bei manchen mehr, bei anderen weniger. Zuviel Insulin im Blut hat tiefgreifende, den Alterungsprozess begünstigende Auswirkungen. Während Ihr Insulinspiegel hoch ist, sammelt Ihr Körper Fett an der Taille an und der Blutdruck erhöht sich. Insulin erhöht auch den Anteil an Triglyzeriden (die kleinen Partikel, aus denen das Körperfett besteht) und diese prognostizieren Herzkrankheiten. Zuviel Insulin macht zudem ständig müde, teils, weil die Zellen nicht so viel Energie bekommen, wie sie benötigen. Durch Insulin speichern die Nieren Salz und Flüssigkeiten und erhöhen den Blutdruck. Insulin spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Verhärtung und Verkalkung der Arterienwände (Arteriosklerose), ein Zustand, der der Vorläufer für Herzerkrankungen und schlechte periphere Durchblutung ist. Schlechte periphere Durchblutung ist auch einer der schnellsten Wege zu Elastizitäts-, Widerstandsfähigkeits- und Leuchtkraftverlust der Haut. Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese insulinabhängigen Stoffwechselveränderungen den Alterungsprozess fördern. Insofern sehe ich es als Anti-Aging Ärztin als enorm wichtig an, das Altern nicht nur auf die äußerlichen Faktoren zu beschränken. Auch innere Faktoren wie eben das Absinken diverser „guter Hormone“ und der Anstieg der „schlechten Hormone“ mit dem Alter spielen eine immens große Rolle. Deshalb empfehle ich als „Anti-Aging Methode von innen“, besonders mit dem Älterwerden auf eine ausgewogene Ernährung zu achten.

 Foto/Quelle: Fotolia/beautypress

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